Von Viren und Menschen

Keiner hatte es kommen sehen. Es traf uns plötzlich und mit unglaublicher Wucht. Ganze Vermögen an den Aktienmärkten wurden über Nacht ausgelöscht. In wenigen Wochen entwickelten sich pulsierende Metropolen wie New York und Berlin zu Geisterstädten. Kleine Unternehmen wurden in der Luft zerrissen. Restaurants mutierten zu Drive-In’s und wir begannen Infizierte und Tote auf Worldometer zu tracken, statt unsere Schritte auf Fitbit. 

Was war passiert?
Ein königliches Virus hat unser kapitalistisches Kartenhaus vor unseren Augen in eine tiefe Krise katapultiert. Ein winziger Organismus kaum größer als 125 Nanometer (1 Nanometer sind 1 milliardstel Meter) stellt unsere fragile Anspruchsgesellschaft vor die existentiellen Fragen unserer Zeit. Ein Virus, das eine globalisierte Ökonomie als trojanisches Pferd nutzt und Landesgrenzen nicht kennt. Doch das Virus, so dämmert es uns langsam, ist nicht die eigentliche Gefahr. 

Psychologie der Massen
Angst war selten eine gesunde Basis für Entscheidungen. Und doch tun wir es: wir verkaufen Aktien in Panik, nachdem wir gerade eine schlaflose Nacht verbracht haben. Wir horten Paracetamol, Dosen und Klopapier (für letzteres habe ich noch keine schlüssige Erklärung finden können).

Selbst Konsumenten, die bisher noch relativ entspannt mit der Situation umgegangen sind, kommen nun zu Aldi und stehen vor gähnend leeren Regalen. Und plötzlich erfasst auch sie Panik und sie beginnen die verbleibenden Regale leerzuräumen. So pflanzt sich das Virus fort: von biologischen Organismen hinein in die Psyche der Menschen, von dort in die DNA unserer Kultur bis hinein in die tiefsten Zellen unseres Wirtschaftssystems – nicht mehr als biologischer Krankheitserreger, sondern nun mutiert in Form von kulturellen Memes wie Richard Dawkins es in dem “egoistischen Gen” beschrieben hatte.

Die wirkliche Gefahr ist die psychologische Kontamination, die Ausbreitung des Virus hinein in die Psyche von Konsumenten, Entscheidungsträgern, Politikern und Militär. Es ist die Angst vor Kriegen, Katastrophen und Seuchen, die in unserem kollektiven Unterbewusstsein über unsere Vorfahren verankert wurde, immer in den Startlöchern und bereit aktiviert zu werden. Denn wir wissen aus der Epigenetik, dass die emotional traumatischen Erfahrungen unserer Großväter vererbbar sind.

Was tun?
Viele von uns sitzen in dieser Situation zu Hause im Home-Office und fragen sich, was wir mit unserer neu gewonnen Zeit anfangen sollen: Serien-Marathons auf Netflix, Binge-Eating und Virtual Reality-Games sind die offensichtlichen Kandidaten.

Aber wie wäre es, wenn wir uns, statt der Herde zu folgen, auf den am wenigsten beschrittenen Pfad begeben? Warren Buffett hat einmal gesagt, dass er für Zeiten wie diese (wo alle die Aktienmärkte panikartig verlassen) Cash bereithält, um zum richtigen Zeitpunkt zu investieren.

Diese Anti-Herden-Strategie muss aber nicht nur für die Aktienmärkte funktionieren. Wie wäre es, wenn wir – einer nach dem anderen – beginnen eine weiße Rose zu pflanzen? Eine Rose der Hoffnung, die uns in all dem Chaos, der Panik und der Verzweiflung daran erinnert, welchen Beitrag wir in einer aus den Fugen geratenen Welt leisten können? Wie wäre es mit Achtsamkeit statt Panik, Ruhe statt Chaos und Empathie statt Schuldzuweisung?

Gibt es kleine Dinge, die wir jeden Tag tun können, um die gewonnene Zeit zu nutzen? Ich habe euch als kleine Inspiration meine persönliche Liste von Dingen zusammengestellt, die ich tue, um resilient und gewappnet für diese Zeiten zu bleiben und die Zeit im Home-Office sinnvoll zu nutzen.

Top 10 Tipps im Home Office für eine bessere Welt

  1. Nutze Google Hangouts oder Skype, um dich mit Menschen zu verbinden, mit Bekannten oder oder auch mit Menschen, mit denen du schon lange keinen Kontakt mehr hattest. Frage sie, wo du ihnen helfen kannst: z.B. in Form von emotionalem Beistand, Einkäufe für sie tätigen, ihnen helfen über ihre Zukunft nachzudenken.
  2. Etabliere eine Morgenroutine: ich stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf, praktiziere täglich alternierend entweder Yoga oder ein „no equipment Workout“ zuhause für 20 Minuten, dann 20 Minuten Meditation gefolgt von eiskalt duschen und Frühstück. Mit einer solchen Routine hast du schon einen guten Start in den Tag. Dann mache ich meine To-do-Liste. Dadurch sind im Home-Office selbst in Zeiten von Corona meine Tage gefühlt zu kurz und nicht langatmig. Wichtig ist es, Routinen zu etablieren, also einen täglichen Ablauf fest in deinen Tag zu integrieren.
  3. Nutze YouTube zur persönlichen Fitness: eigentlich braucht man keinen Fitnesscenter mehr. YouTube hat ein Arsenal an wirklich guten Yoga-, Fitness- und Achtsamkeits-Videos. Hier eine Auswahl:
    – 20 Minuten No equipment workout
    – 20 Minuten Morgen-Yoga (englisch) 
    – 10 Minuten Meditation für Anfänger
  4. Tägliche Team-Standups über Hangouts, MS Teams oder andere Tools: als Team motivieren wir uns gegenseitig durch tägliche kurze und virtuelle Meetings. Wir beginnen mit emotionalen Check-Ins gefolgt von Updates bis hin zu To-do’s für den Tag. Wenn du Freelancer bist und kein Team hast, schaffe dir eines, indem du dich mit anderen Freelancern zusammen tust.
  5. Journaling (zu deutsch Tagebuch schreiben): Es ist schwer zu beschreiben, wie reinigend eine tägliche Tagebuch-Routine sein kann, um all die gegenwärtigen emotionalen Lasten zu adressieren, aber auch um neue Ideen zu brainstormen und Visionen zu designen. Alternativ kannst du auch Artikel schreiben, einen Blog starten oder endlich das lang ersehnte Buch-Projekt starten.
  6. Weiterbildung: Ich habe vor 6 Monaten begonnen, nebenher nochmal einen Bachelor in künstlicher Intelligenz (KI) zu studieren. Meine Uni in Linz bietet das Programm zum größten Teil auch digital an. Ich versuche im Moment jeden Tag zu nutzen und mindestens 2 Stunden für Prüfungen zu lernen, Bücher über KI zu lesen oder mir eine Vorlesung digital anzusehen. Man muss aber nicht in einer Uni angemeldet sein. Es gibt über Coursera, Khan-Academy, Udemy und Co. mittlerweile so viele Kurse und das zum großen Teil auch umsonst, so dass du dich in vielen hochaktuellen und berufsrelevanten Themen weiterbilden kannst.
  7. „Design your future“: ob du selbständig bist oder nicht, jetzt ist die perfekte Zeit innezuhalten und darüber nachzudenken, wie du deine Zukunft gestalten möchtest und wo du dich in den nächsten Jahren siehst.
  8. Gestalte ein Offline-Kanban-Board für deine wichtigsten Ziele. Ich nutze das nicht nur im Business, sondern auch für private Projekte und Ziele.
  9. Halte inne, notiere die Menschen und Dinge, für die du wirklich dankbar bist und nimm dir vor, täglich einer Person in deinem Umfeld etwas Gutes zu tun oder zu sagen.
  10. Bestell dir eine weiße Rose und stelle sie dir an einen Ort zu Hause, der dir wichtig ist. Nimm sie als Inspiration für deine schwärzesten Momente, erinnere dich daran, dass du nicht alleine bist, mach ein Foto und teile es mit wichtigen Menschen.